Samstag, 20. Februar 2016

Leichtes Gepäck


"Am Anfang wirst Du die verbleibenden Monate zählen, später die Wochen, danach die restlichen Tage und zuletzt die Stunden bis zum Aufbruch..." So hat es mir ein Pilger geschrieben, der mir über ein Infoportal virtuell begegnet war. Damals. 2007. Als ich zwar einige Bücher über den Jakobsweg gelesen und mir Dokus angeschaut hatte, aber doch überhaupt nicht wusste, was mich in der Realität auf dem Camino erwarten würde...

Nun schreiben wir das Jahr 2016. Viel Zeit ist vergangen. Fast ein ganzes Jahrzehnt. Ist die Frau von heute noch jene von damals? Was hat sich verändert? Was ist geblieben? Was wird der neue Weg bringen? Ich denke wohl daran, weil es nun noch 35 Tage sind. Nur. Oder immer noch? Wenn ich allein bin denke ich intensiv darüber nach. Was mich erwarten wird. Uns, den Helden und mich. Vielleicht ist alles ganz anders, als er es sich vorstellt. Kann aber auch sein, dass ich enttäuscht bin. Oder wir beide es lieben werden unterwegs zu sein, auf meinem Camino No.5...

Der Jakobsweg, den wir gehen werden, ist für meine Verhältnisse kurz. Da die Strecke uns ein Stück an der Küste entlang führen wird, kommen wir insgesamt auf rund 270 km. Das ist nichts, gegenüber meinen anderen Wanderungen. Und doch habe ich Respekt vor der Strecke. 2013 habe ich mich von Granada aus aufgemacht den sog. "Camino Mozarabe" zu gehen, der von Spaniens Südosten nach Santiago, also schräg durchs Land in den Nordwesten führt. Einsame Strecken erwarteten mich. Vor denen ich mich vorab fürchtete, in der Sorge es könne etwas passieren und ich wäre weit und breit allein in einer unwirtlichen Landschaft. Zugleich war gerade dies der Reiz...



Exakt auf jener Etappe, die ich schon vorher mit Angst belegt hatte, verunglückte ich in der Sierra Nevada. Hitze, Einsamkeit, eine Fraktur. Man überdenkt sein Leben in diesem Moment. Denkt an jene Menschen die man im Herzen trägt. Fragt sich, ob es das nun also war. Das Leben. Was man hätte anders machen können / sollen. Und was gar nicht anders möglich war, aus der Vorgeschichte heraus, die man nun einmal auf die Welt mitbringt...

Ich bin ein gläubiger Mensch. Und habe mein Schicksal akzeptiert in diesem Moment. Nur überlegt, wie "es" sein wird, das Ende. Beruflich bedingt habe ich viele Menschen in den Tod begleitet, kannte ihre Ängste allein und verlassen zu sterben. Was auch manchmal so eintrat. Was an der Gesetzgebung lag / liegt. An zerbrochenen Familien. Der Entfremdung unserer Zeit. Vom Tod. Manchmal auch vom Leben. Äußerlichkeiten beherrschen den Alltag. Das, was wir haben beschäftigt uns oft mehr, als das was wir sind. Oder sein könnten...

An Zufälle glaube ich nicht. Es war seltsam, dass an jenem (Unglücks)Tag ein Fahrzeug der Guardia Civil ausgerechnet in jener abgelegenen Bergregion Streife fuhr. Und das Bündel in der Ferne auf dem Weg als Menschen registrierte. Diese Männer waren meine Rettung. Durch sie kam ich in eine Klinik. War der Moment der Verabschiedung von der Welt noch nicht gekommen. Es wäre (hier) eine zu lange Geschichte, darum kürze ich sie ab. Ich brachte meinen Camino in langen und qualvollen Wochen zu Ende, mit leicht abgewandeltem Wegverlauf. Denn nun wollte ich mehr in menschlicher Nähe sein...



Ab Sevilla ging ich auf den "Via de la Plata", immerhin für sich schon 1000 km lang. Als ich Santiago erreichte war ich am Ende meiner Kraft. Und meines Willens. Ich wollte nur noch, dass es vorbei war. Und sagte mir damals: "Nie wieder!" Weder die Stadt, noch die Kathedrale interessierten mich. Ich suchte nur Stille. Ruhe. Einen geschützten Ort. Ein Fernbus brachte mich nach Porto, im Tal des Douro in Nordportugal gelegen. Und ich verliebte mich in die verwinkelten Gassen, die bunten Farben, die Fröhlichkeit und Lebenslust der Bewohner. Schwor mir, dass ich zurückkehren würde eines Tages...



Inzwischen sind fast drei Jahre vergangen. Vieles von dem, was ich mir damals vorgenommen hatte, das habe ich zu erreichen versucht. Manches geschafft. Anderes nicht. Den Wechsel in ein anderes, kleines Haus z.B. Es war mehrfach nahe daran. Aber eben nur das. Es sollte wohl nicht sein (mein Haus scheint mich festzuhalten?!). Ich hätte jedes einzelne Teil, dass hier steht, liegt, hängt, in die Hände nehmen müssen. Mich fragen: Gehört das ins "neue Leben"? Brauche ich es? Hängt mein Herz daran? Oder kann ich mich davon trennen? Ist seine Zeit für mich vorbei?

Dieses Ziel habe ich nicht erreicht. Und habe im Moment das Gefühl, dass ich mich täglich mehr davon entferne. Warum? Wo ich doch so intensiv darüber nachdenke! Kommt Besitz wirklich von "(be)sitzen"? Bequemlichkeit? Lethargie? Was hält mich ab von jener Radikalität, die schon einmal hatte? Ich fühle mich schuldig. Zu verschieben, zu vertagen, Entschuldigungen zu finden. Statt durchzugreifen...

Am Ostersonntag wird es anders sein. Wir werden aufbrechen. Mit leichtem Gepäck. "Der Wanderer braucht nur was er tragen kann". Ja, das habe ich sehr gut behalten. 10 kg als Kleiderschrank, Apotheke, Büro, Küche und Schlafraum. Man kann nichts kaufen, nichts sammeln, nichts aufheben, weil man es "vielleicht doch noch einmal brauchen" könnte. Jedes Pfund zuviel zerrt an den Schultern, drückt auf die Nackenmuskulatur, beansprucht den Rücken.
Zugleich wird die Seele frei, wenn der Körper sich an die Last gewöhnt hat, die nicht mehr wird. Sich vielleicht sogar noch verringert...

Das wünsche ich mir auch für das reale Leben. Für uns.
Freiheit. Leichtigkeit. Fliegen. Loslassen. Leichtes Gepäck...



   
Eines Tages fällt dir auf, 
dass du 99% nicht brauchst,
du nimmst allen Ballast und schmeißt ihn weg,
denn es reist sich besser mit leichtem Gepäck...

Kommentare:

  1. Was für eine (Lebens-)Geschichte! Ja, es musste wohl so sein, dass das Fahrzeug der Guardia Civil gerade DA Streife fuhr und du gefunden wurdest. Ich glaube übrigens auch, dass das Haus "sein muss"... sonst häte es nicht so lange auf dich gewartet und sich so schön erhalten.
    Möge der Weg für deinen Partner und dich wunderbar sein, etwas Positives bringen! VOr einigen Jahren besuchte ich einen Französischkurs, und einer meiner Kurskollegen erzählte, dass er Französisch lernen möchte, weil er und seine Freundin nun beim Jakobswegs vor der französischen Grenze stünden und er die Sprache dort zumindest ein bisschen beherrschen wolle. Sie waren schon mehrere Etappen gegangen, jedes Jahr ein Stück...
    Danke nochmal für deine Verlinkung bei ANL,
    herzlichst, Traude

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    1. Welch' schöne kleine Geschichte... Deine Begegnung im Sprachkurs...!!

      Seit dem Unfall habe ich immer gedacht, dass ein Sinn darin liegen muss, dass ich noch da bin. Dass da noch etwas kommt, für das es sich zu Leben lohnt. Das letzte Jahr hat viele Veränderungen meiner Situation gebracht. Erfreuliche. Aber auch traurige. Beides gehört zusammen und bringt uns weiter - wir reifen daran...

      Möchte sooo gern Deine ANL - Aktion bei mir verlinken, da ich sie voll unterstütze, aber wie mache ich das technisch? Bin bei Blogger halt noch recht hilflos...

      Liebe Grüße zu Dir, Du bist eine große Bereicherung für mich,
      Gabriele

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  2. ich bewundere deinen Mut und deine Entschlossenheit..
    ich glaube ich könnte es nicht davon abgesehen dass mich meine Beine keine 5 KM weit mehr tragen würden..

    zu deinen anderen Gedanken..
    der Mensch braucht einen Platz an dem er zu hause ist
    an dem er ganz bei sich sein kann.. sich gehen lassen kann
    sehe es nicht als "Besitz" an
    den wirklich besitzen tun wir nichts
    nehm es als geliehen an ..auf Zeit
    denn eine Tages wirst du es zurücklassen müssen..

    ich wünsch dir alles Gute und deinem Partner auch für eueren Jakobsweg..
    liebe Grüße
    Rosi

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    1. Liebe Rosi,

      das sind gute neue Gedanken, auf die Du mich da bringst.

      "Haus"en muss der Mensch an irgendeinem Platz... Und natürlich ist alles auf der Welt nur geliehen, was gut so ist. Mich stimmt nur traurig, dass offenbar so wenige Menschen dies begreifen. Wir alle auf der Welt gehören zusammen und welche Kräfte könnten wir entfalten, wenn wir unsere Ressourcen bündeln würden, statt einander zu bekämpfen!! Aber das ist schon wieder ein ganz anderes Thema...

      Heute in fünf Wochen sind wir schon in Bremen auf dem Flughafen mit unseren Rucksäcken. Noch ist das ein seltsamer, kaum vorstellbarer Gedanke...

      Liebe Grüße zu Dir!

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  3. Leichtes Gepäck - auf dem Rücken, ja.
    Aber das ist kein Post von der leichten Sorte.
    Nachdenklich macht er.
    Als du mir geschrieben hast, dass du dich von Granada aus aufgemacht hast, habe ich mich gefragt
    Warum schreibt sie mir das? Woher weiss sie es?
    Ja, es ist mein Traum, selbst den Jokobsweg zu gehen.
    Bisher wusste ich nur von dem einen (den französischen, an der Nordküste), von Granada aus
    wäre auch schön. Aber bis dahin sind es noch ca. 15 Jahre, die Kinder sind noch klein.
    Aber ich liebe es zu laufen, warum weiss ich nicht, es tut mir gut.
    Ich hab schon einige Bücher über den Jakobsweg gelesen, nicht alle zu Ende.
    Ich kann es nicht ertragen, wenn Menschen den Pilgerweg benutzen, um sich selbst darzustellen.
    Ich glaube, dein Buch würd ich zu Ende lesen. Es fesselt, wie du schreibst.
    Es scheint, du gehst das erste Mal nicht allein, das istbestimmt eine neue Erfahrung.
    Ich bewundere nicht nur deinen Mut, sondern auch die Offenheit, wie du hier schreibst.
    Ich wünsch dir alles Gute für dienächsten Wochen der Vorbereitung und bin gespannt,
    auf deine neuen Erfahrungen.
    Ganz lieb, Jana

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    1. Meine Posts sind wohl nie ganz von der leichten Sorte... Weil ich es eben als Mensch auch nicht bin. Was die Ursache dafür ist, das steht mutig oben geschrieben. Ich fühle / spüre / empfinde oft anders als meine Umwelt. Sehe / analysiere, was anderen Menschen oft verborgen bleibt. Vielleicht, weil ich auf das Wesentliche schaue. Äußerlichkeiten interessieren mich nur sehr wenig, die bewerte ich extrem unter. Ich suche stets "den Menschen", den, der er ist und nicht jenen, den er nach außen vermitteln möchte...

      Was Du schreibst kann ich in vielem unterstreichen. Auch ich liebte es schon immer zu laufen, ohne zu wissen warum. Es ist Freiheit, Bewegung, Veränderung, Wechsel. Vielleicht liegt es daran...

      So einige Bücher zum Camino habe ich gelesen. Manche kopfschüttelnd irgendwann abgebrochen. Auch populäre. Zu sehr war dahinter "die Vermarktung" und "Selbstdarstellung" für mich erkennbar. Ob nun gewollt dramatisch, oder andersherum komisch (da man das erwartet). Da fehlte mir wieder "der Mensch". Der müde und erschöpft ist. Zaghaft. Irrend. Tapfer. Ängstlich. Suchend. Ungerecht. Heldenhaft. Eitel. Verzichtend. Eben mit seiner ganzen Bandbreite...

      Seit Februar 2007 habe ich auf einer anderen Plattform gebloggt. Nur angefangen, damit meine Kids meinen Weg verfolgen konnten. Mehr sollte es nicht sein, einfach nur ein kleines, virtuelles Tagebuch. Später habe ich es für das Blog erweitert und es wurde (fast) ein Buch. Für das es einen Verleger gab. Aber ich hatte das Gefühl, dass dies nicht stimmig für mich wäre. Ich habe für mich geschrieben. Die (kleine) Familie, Freunde. Und nicht mehr. Das ist keine "große" Literatur. Eine Blogautorin ist eben das. Und nicht mehr. Es sei denn, man schaltet nach einem erfolgreichen Buch ein Blog zusätzlich dazu, um die Vermarktung zu steigern. Aber wie passt das zu einem Camino, dem Weg der Wege? Gar nicht. Aus meiner Sicht. Und nur die kann ich für mich gelten lassen in dieser Hinsicht...

      Damals haben viele Leser geschrieben sie würden das Buch sofort kaufen, verständen erst jetzt die menschliche Seite des Jakobsweges, die "kleinen Wunder" und "mittelgroßen Dramen". Es ist kein Spaziergang, kein Urlaub. Wer Ohren hat zu hören, Augen um zu sehen und ein Herz um zu spüren, der wird ihn entdecken, den Zauber dieses Weges. Den er immer noch hat, trotz der Überflutung, die mittlerweile eingesetzt hat...

      Unseren Weg habe ich ganz bewusst an den Anfang der Pilgersaison gesetzt, bzw. knapp davor. Zumindest innerhalb von Portugal werden wir weitgehend allein unterwegs sein. Nicht "rennen und jagen" müssen, nach einem leeren Bett. Damit wäre der Sinn verfehlt. Wir beide werden mehr über uns erfahren, unsere noch relativ "junge" Beziehung. Wer sind wir wirklich? Was erwarten wir voneinander? Vom Leben generell? Wie reagieren wir auf all' das, was nicht planbar ist? Inwiefern wird unsere Partnerschaft sich nach der Rückkehr verändern?

      Fragen über Fragen. Die sich (auch) hier beantworten werden. Denn zu reflektieren bedeutet zu verstehen. Geschriebenes haftet anders als gedachtes...

      Zu Dir: Wenn es DEIN Weg ist, dann wirst Du ihn irgendwann gehen. Vielleicht ganz anders, als Du es Dir jetzt vorstellst. Und zu einem anderen Termin. Du wirst jenen Menschen begegnen, die Du brauchst. Und die Dich brauchen. Alles wird gut sein. Sich richtig anfühlen. Du wirst spüren wenn die rechte Zeit gekommen ist, vertraue darauf!!

      Vielleicht veröffentliche ich hier ein wenig aus dem damaligen Entwurf, mal schauen, ob es passt und ich Interesse spüre.

      Liebe Jana, alles, alles Liebe für Dich und Deine Kinder!

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  4. Das ist eine sehr beeindruckende Geschichte und ganz sicher war es kein Zufall, dass die Guardia civil Dich nach Deinem Unfall gefunden und ins Krankenhaus gebracht hat. Ich bewundere ebenfalls Deinen Mut, den Camino ganz allein gewandert zu sein. Für Eure gemeinsame Wanderung wünsche ich Euch nun alles Gute und viele schöne Erlebnisse. Ich hoffe, Du berichtest dann hier darüber !

    Ganz liebe Grüße
    Birgit

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    1. Zufälle gibt es nicht, alles ergibt einen Sinn, auch wenn man ihn erst viel später erkennt, aus dem Gesamtzusammenhang heraus, davon bin ich überzeugt...

      Man ist auf dem Hauptweg dem sog. "Camino Francès" nur allein, wenn man es sein will. In den Herbergen, Hostals, Bars und auf den Strecken befinden sich überall Menschen. Die Orte und Städte sind bewohnt und wer Fremdsprachen beherrscht ist klar im Vorteil...

      Auf dem "Camino Mozarabe" war ich hingegen völlig allein. Und auf der "Via de la Plata" war es nicht groß anders. Das kann schmerzen. Alte Ängste hervorholen. Aber auch neuen Mut wachsen lassen. Und den hatte ich immer schon...

      Danke für Deine guten Wünsche, ich bin gespannt wie alles wird (ca 3 Wochen Tag und Nacht mit einem Partner zusammen, hmmmmh...). Aber ich hab' Vertrauen. Es wird so sein, wie es kommen soll!

      Gaaanz liebe Grüße zurück zu Dir!

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  5. Liebe Gabriele,
    in vielen Deiner Gedanken bin ich Dir sehr nahe. Auch ich glaube nicht an Zufälle und bin ebenso überzeugt, daß wir nicht als unbeschriebenes Blatt auf diese Welt kommen. Allerdings glaube ich nicht, daß besitzen = Bequemlichkeit und Lethargie bedeutet. Vielmehr ist Besitztum für mich immer gekoppelt an Verantwortung. Verantwortung für dieses Stückchen Erde, für dieses von Menschen Geschaffene-was-auch-immer, das sich in unserem Besitz befindet. Und wenn Du dein Haus nicht besitzen würdest, dann würde eben jemand anders darin wohnen. Und solange Du dein Haus bewohnst, es pflegst und in Stand hälst, solange dankt es Dir dafür mit seinem Schutz. Es ist dir ein Zu-Hause, an dem Du dich durchaus erfreuen kannst und solltest. Das ist auch eine Sichtweise - meine Sichtweise. Mit welchem Leben Du dein Haus allerdings füllst, ob du es überfrachtest mit unnützem Kram oder ob du es füllt mit Sinnvollem - und dazu gehören auch Dinge, die einfach nur das Herz erfreuen - liegt ganz bei Dir. Deine Einstellung zu all den Dingen erscheint mir aber doch sehr verantwortungsvoll.
    Auch noch mal zu Deinem letzten Post: Wenn jemand zum Thema Upcycling schreibt, dann steht doch auch immer eine gewisse Lebenseinstellung bzw. Haltung dahinter. Deshalb finde ich es absolut in Ordnung und auch sehr interessant, daß Du nicht einfach nur dein Werkeln und dessen Ergebnisse schreibst, sondern auch sehr viel über die Hintergründe - nämlich über dein persönliches Warum und Wieso.
    Für Euren gemeinsamen Wanderweg wünsche ich Euch "leichtes Gepäck", viele wunderbare Erfahrungen und gute Geister, die euch begleiten und beschützen.
    Jetzt hab ich aber wirklich genug geschrieben .... noch einen erholsamen Sonntag und herzliche Grüße
    Antje

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    1. Du nimmst mir viele Bedenken und Gedanken aus dem Kopf. Intensiv hatte ich mich gefragt, ob und wie die Themen "Upcycling" und "Trekking" zusammenpassen. Beides gehört(e) für mich stets zusammen. Du formulierst das sehr passend: Hinter allem was wir tun steht eine gewisse Lebenseinstellung...
      Wir sind was wir sind, weil es zuvor in unserem Leben war, wie es war. Das klingt plump, aber ich habe es irgendwann mehr oder weniger schlicht so formuliert...
      Wie oft frage ich mich, warum ein Mensch (Blogger) den ich lese, gerade SO handelt. Oder eben nicht. Was fühlt er? Beschäftigt, belastet ihn? Hat ihn befreit von Ballast (jeglicher Art)? Oder warum eben gerade nicht? Was bedeutet ihm Materie? Gibt sie ihm Sicherheit? Warum sucht er sie gerade diese Schiene? Macht er /sie sich überhaupt Gedanken darüber?
      Selten finde ich Antworten. Weil wir alle lieber "Helden" sein wollen. Strahlend. Voller Kraft und Mut. Wir haben ein vorzeigbares, blitzblankes Heim. Unser Nachwuchs ist nicht anders, der Partner ein Traum. Unsere Bilder könnten in jede Zeitschrift passen. Auch ich mag diese Blogs! Erfreue mich an Einrichtungen, Dekorationen, Ideen, Anregungen. Aber nicht nur. Manchmal ist mir das einfach zu "glatt", zu sehr Hochglanz. Dann würde ich gern auf die Rückseiten schauen, das "Zwischenzeilige"...
      Ich bin gespannt wie der gemeinsame Weg wird. Insgesamt mehr als drei Urlaubswochen gemeinsam - wo ich doch eine überzeugte Singlefrau war (und bin?)!! Es wird sich zeigen. Auch für ihn. Er spricht von Irland im Herbst. Die Wanderausrüstung ist ja nun auch für ihn vorhanden. Vielleicht folgt aber schon bald die Ernüchterung, wer kann das sagen?
      Von restloser Begeisterung bis zu blankem Entsetzen ist alles drin. Den Versuch mit einem Womo zur Ostsee gab es schon. Er dauerte genau einen Tag. Nach wenigen Stunden des Aufenthalts auf einem scheußlichen (!!) Parkplatz fuhren wir zurück, d.h. ER fuhr. Geduldig. Das war alles nicht meins. Der Ort, die Menschen, das Wohnmobil. Das ging einfach gar nicht. Vielleicht, weil man da eben nicht "geht", sondern sitzt und sitzt und sitzt?
      Bald bin ich schlauer. Oder auch nicht, lächel...

      Herzliche Grüße zu Dir und Sonne schicke ich dir auch, sie schaut gerade durch's Fenster!

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